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DIE LINKE Kreisverband Borken

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Newsletters "Migration und Bevölkerung"

 

LISA NRW wählt neues Sprecherinnen-Team

Knapp 40 Teilnehmerinnen aus ganz NRW waren beim turnusmäßigen Treffen der
LAG LISA (Linke Sozialistische Arbeitsgemeinschaft der Frauen) am 25. Januar
vertreten. Auf der prall gefüllten Tagesordnung stand die Wahl der neuen
Sprecherinnen. Schnell einigten sich die Anwesenden darauf, ein Team von
fünf Frauen zu wählen. Mit großer Mehrheit gewählt wurden:



Sylvia Gabelmann, Aachen
Gudrun Erfurt, Gladbeck
Elke Hoheisel-Adejolu, Köln
Claudia Leischen, Oberhausen
Monika Luchs, Heinsberg


Dass Cornelia Swillus-Knöchel aus dem alten Sprecherinnenrat nicht mehr
kandidierte, wurde von der Versammlung mit großem Bedauern aufgenommen.
Cornelia: „Frau kann sich auch ohne Amt für feministische Politik
engagieren. Außerdem widerspricht ein ‚Kleben’ an Ämtern und Posten den
Prinzipien feministischer, wie linker und solidarischer Politik.“ Die Frauen
dankten ihr für ihre mehr als 10jährige Arbeit und verabschiedeten sie mit
großem Beifall.

Mit der Wiederwahl von Elke Hoheisel-Adejolu ist eine kontinuierliche Arbeit
und die Einarbeitung der „Neuen“ gewährleistet. „Für die Zukunft steht viel
an.“, so Elke. „Zum einen wollen wir durch eine noch gezieltere
Öffentlichkeitsarbeit Frauen in allen Kreisverbänden erreichen und verstärkt
anregen, vor Ort eigene Frauenstrukturen zu bilden. Gerade vor den jetzt
anstehenden Wahlkämpfen werden wir unseren Stellenwert innerhalb der
Landespartei weiter ausbauen und festigen“.

Die LISA-Frauen sprachen sich einstimmig dafür aus, beim Landesvorstand der
Partei eine Frauenbeauftragte zu installieren, die mit ständigem Gaststatus
an den Sitzungen des Landesvorstandes teilnimmt und zu allen
frauenspezifischen Fragen, z. B. die satzungsgemäße Erfüllung der
Frauenquote, angehört werden muss. Sie soll gleichzeitig Ansprechpartnerin
und Vertrauensperson für die weiblichen Mitglieder sein, die sich
ausgrenzendem und sexistischem Verhalten durch männliche Genossen ausgesetzt
sehen.

Gudrun Erfurt


27. Januar 2009
Pressemitteilung von Klaus Ernst und Katja Kipping
Hartz IV mit einer bedarfsdeckenden sozialen Mindestsicherung überwinden


Die Fraktion DIE LINKE hat heute  Vorschläge für eine bedarfsdeckende soziale Mindestsicherung beschlossen. Dazu erklären Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender von Partei und Fraktion DIE LINKE, und Katja Kipping, stellvertretende Parteivorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:
„Hartz IV ist Armut per Gesetz. SPD und Grüne wie Union und SPD haben mit Unterstützung der FDP Millionen Menschen in ein System gezwungen, das Erwerbslose mit einer entwürdigenden Schnüffelpraxis gängelt und von Repression und sozialer Ausgrenzung geprägt ist. Zehntausende Widersprüche und Klagen zeigen, dass Hartz IV nicht nur ein schlechtes, sondern auch ein schlecht gemachtes Gesetz ist. Das Prinzip „Jede-Arbeit-ist-besser-als-keine“ entzieht Erwerbslosen und Erwerbstätigen glei¬chermaßen den Boden für die Durchsetzung ihrer Interessen und ihrer Würde, so dass Deutschland mittlerweile den größten Niedriglohnsektor aller Industriestaaten hat.
DIE LINKE ist angetreten, Hartz IV zu überwinden und einen wirksamen, verlässlichen, repressions- und diskriminierungsfreien Schutz vor Armut und sozialer Ausgrenzung zu gewährleisten. Mit unseren Vorschlägen für eine bedarfsdeckende soziale Mindestsicherung wird die Hartz IV-Logik durchbrochen und eine Perspektive für eine menschenwürdige soziale Absicherung eröffnet.
Die bedarfsdeckende soziale Mindestsicherung wird nach folgenden Grundsätzen gestaltet:
- Einen Rechtsanspruch auf Mindestsicherung haben alle Menschen, die über kein ausreichendes Einkommen oder Vermögen verfügen, um ihren sozialen und kulturellen Mindestbedarf zu decken, und die rechtmäßig in der Bundesrepublik Deutschland leben, einschließlich der Flüchtlinge.
- Die Mindestsicherung orientiert sich am Individualprinzip, d.h. jeder bedürftige Mensch hat einen eigenen Anspruch unter Berücksichtigung der Unterhaltsverpflichtung nach dem BGB. Die Bedarfsgemeinschaft wird abgeschafft. Nichteheliche Lebensgemeinschaften haben keine wechselseitige Unterhaltsverpflichtung
- Eine Bedarfsbemessungskommission, in der auch die Betroffenen vertreten sind, ermittelt den Bedarf für das soziokulturelle Existenzminimum und legt auf dieser Grundlage die Regelsätze und Mehrbedarfe für bestimmte Personengruppen fest, die jährlich entsprechend der Preisentwicklung dynamisiert werden. Für Kinder und Jugendliche erfolgt eine Bedarfsermittlung für eine eigenständige Mindestsicherung.
- Der Eckregelsatz wird in korrekter Umsetzung der Regelsatzbemessung nach dem SGB II sofort auf 435 € für Alleinstehende (Wert 2008) erhöht. Als Sofortmaßnahme zur Bekämpfung von Kinderarmut wird die Höhe der Mindestsicherung für Kinder wie folgt angesetzt: Bis-zu-5-Jährige erhalten 276,-€, 6-bis-11-Jährige 332,- und 12-bis-18-Jährige 358,- €. Die Kindergelderhöhungen ab 2009 werden erst angerechnet, sobald die Höhe der Mindestsicherung für Kinder bedarfsdeckend bemessen ist.                  
- Wohnkosten werden in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen (Kaltmiete plus Nebenkosten) übernommen, solange die Miete den Mittelwert des örtlichen Mietspiegels für eine Wohnungsgröße des Haushalts nach Kriterien des sozialen Wohnungsbaus in der jeweiligen Baualtersgruppe nicht um mehr als 10 Prozent übersteigt. Ein Umzug – frühestens nach einem Jahr Übergangsfrist – ist unzumutbar, wenn er eine soziale Härte darstellt oder wenn die Kommune keine angemessene Ersatzwohnung nachweisen kann.
- Die Fiktion eines „Ansparens“ von Mitteln aus den Regelleistungen zur Deckung von Sonderbedarfen wird aufgegeben. Die Mindestsicherung kann nicht auf alle individuellen Problemlagen und Wechselfälle des Lebens reagieren, so dass Sonderbedarfe zu finanzieren sind.
- Eigenes Einkommen und/oder Vermögen sind vorrangig einzusetzen. Um den Leistungsanspruch und seine Höhe festzustellen, ist eine Bedarfsprüfung unerlässlich. Diese wird auf ein bürgerrechtlich vertretbares, die Würde der Leistungsberechtigten achtendes Maß zurückgeführt. Wohnungsbesuche durch sog. Bedarfsermittlungsdienste werden abgeschafft. Sparguthaben oder ähnliches bleiben bis zu einer Höhe von 20.000,- Euro pro Person anrechnungsfrei. Das Schonvermögen für die Altersvorsorge wird in der Ansparphase auf 700,- Euro pro Lebensjahr angehoben.
- Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung („Ein-Euro-Jobs“) werden durch den Ausbau regulär-tariflicher öffentlicher Beschäftigung ersetzt.  Leistungsberechtigte haben Zugang zu allen Angeboten der Arbeitsförderung nach dem SGB III. Die Teilnahme an Maßnahmen der Arbeitsförderung ist freiwillig. Die bisherige Pervertierung der Arbeits- und Integrationsförderung wird grundsätzlich revidiert. Das Sanktionsregime des Konzepts „Fördern und Fordern“ wird abgeschafft.
- Die Bestimmungen für die Zumutbarkeit von Arbeitsangeboten sind grundlegend zu reformieren. Arbeit gilt erst dann als zumutbar, wenn sie ein Existenz sicherndes Einkommen schafft (bzw. einem gesetzlichen Mindestlohn nach Einführung entspricht), die berufliche Qualifikation der Betroffenen in Wert stellt,  die Ansprüche an die Flexibilität und die Fahrtzeiten senkt und die nicht gegen die politische und religiöse Gewissensfreiheit verstößt.
- Leistungsberechtigte sind grundsätzlich verpflichtet, sich um Existenzsicherung durch eine entsprechende Erwerbstätigkeit zu bemühen. Es liegt in der Verantwortung des Staates, Rahmenbedingungen für ausreichend Existenz sichernde Arbeitsplätze zu schaffen. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, zumutbare Arbeit zur menschenwürdigen Gestaltung seines Lebens zu nutzen. Insofern strebt die Linke keine Wahlfreiheit zwischen der Aufnahme zumutbarer Arbeit und dem Bezug von Leistungen der Mindestsicherung an. Jede und jeder hat das Recht, mit aufschiebender Wirkung die Zumutbarkeit angebotener Arbeit bezogen auf Leistungen nach dem SGB III (Arbeitslosengeld) überprüfen zu lassen. Der Schutz der Menschenwürde und insbesondere des Kindeswohls verbieten die Kürzung von Leistungen der gesetzlichen Mindestsicherung.
Eine bedarfsdeckende soziale Mindestsicherung nach diesen Grundsätzen bricht mit Hartz IV und ist der entscheidende erste Schritt, um Armut in Deutschland wirksam und nachhaltig zu überwinden. Die Aufgabe, Armut zu vermeiden und soziale Teilhabe zu ermöglichen, kann allerdings nicht von einem Mindestsicherungssystem allein geleistet werden. Dafür braucht es insbesondere einen armutsfesten gesetzlichen Mindestlohn und die Fortentwicklung der Sozialversicherungen zu Bürger- bzw. Erwerbstätigenversicherungen, in denen das Solidarprinzip gestärkt wird und zu deren Finanzierung hohe und höchste Einkommen angemessen herangezogen werden.“

F.d.R. Hendrik Thalheim